„Meine Kinder nerven mich“…ich sage nein! We can be heroes, just for one day.

10. Oktober 2019 / Von Hannah Steinlechner

Ein Tag der so anstrengend ist, dass ich an die Decke gehen könnte. Ein Morgen an dem mich der Blues in die Knie zwingt. Ein Leben voll mit Windeln, voll mit Geschrei, voll mit Kinderkram. Wir haben schlecht geschlafen. Ich bin genervt.

Ich stelle mir die Frage:“ Und das ist es jetzt oder? Das ist dieses Kinderding, was alle so toll finden.“ Nein heute finde ich es nicht toll. Heute bin ich nicht aufgelegt mich am Spielplatz auszutoben. Ich habe keine Lust eine Stunde mit dem Sand zu spielen oder die Schaukel anzuschubsen.
Ich würde mich am liebsten unter der Decke verkriechen.

Das große Problem…Mama ist nicht gut gelaunt.

Ich kann mich noch gut an unsere zweite Weihnachtszeit erinnern. Ich war mit Olivia um 5:00 Uhr wach. Keine Chance mehr, dass sie einschlief.
Draußen ist es dunkel, die Lichter vom Weihnachtsbaum leuchten. Alle schlafen seelenruhig, nur wir nicht. Ich stehe vor Olivia und sage, mit leicht verzweifelter Stimme:“ Was mache ich denn jetzt mit dir?“ Das wird ein verdammt langer Tag. Sie spielte keine Minute alleine. Fünf Stunden saß ich mit ihr auf einer Decke und spielte. Lächelte sie an, obwohl ich gerade absolut keine Lust auf die Rassel oder andere Spiele hatte.

Als Mama, lächle ich ihr einfach zu, ich vermittle ihr das Gefühl, dass ich es gerne mache. Wir hatten um 10:00 Uhr schon den ersten Spaziergang im Wald hinter uns. Die dritte volle Windel und die zweite Jause. Ich bin müde, will etwas machen, das mir Spaß macht, aber Olivia lässt mich nicht.

Olivia war ein Kind das sich sehr schwer alleine beschäftigt hat. Klar, viele werden sich jetzt denken:“ Ist sie selbst schuld, hätte sie ihrem Kind beigebracht, dass es alleine spielt, dann wäre das alles anders!“ Ich habe es versucht, das könnt ihr mir glauben. Was ich alles probiert hab. Nichts hat funktioniert.
Sobald ich den Raum verließ, begann sie lautstark zu weinen.

„Ich schaff das nicht mehr!“ Dachte ich mir. Ich kann kein Puzzle oder Knetmasse mehr sehen, aber ich mache weiter. Wie ich es immer mache. Lange Zeit durfte Olivia, außer mir, niemand ins Bett bringen, oder mit ihr mal raus gehen. Den ganzen Tag quickte sie:“ Mama, Maaama, Mamamamamamama.“

Olivia ist jetzt drei Jahre alt und spielt mittlerweile auch alleine, zwar nicht übermäßig viel, aber sie tut es. Was bei uns allerdings noch immer Thema ist, ist das Tragen. Nach dem Mittagsschlaf trage ich sie eine Stunde herum. Wenn wir morgens aufstehen, zum Glück nicht mehr um 5:00 Uhr, dann hängt sie an meinem Fuß und jammert:“ Rauf Mama, Mama bitte trag mich, ich bin noch nicht bereit!“ Ich bin auch noch nicht bereit, für den Tag. Ich hab auch noch nicht gefrühstückt.

Und da mache ich es dann. Ich bin Mama. Ich bin ein Hero!

Lächelnd, wie ich es immer mache, hebe ich sie auf. Sie kuschelt sich an mich und lächelt zurück. Mit ihrem Pyjama und den zerrauften Haaren und ihrem geliebten Lulli, hält sie sich an ihrer Mama fest. Ich drücke sie fest an mich und atme tief ein, sauge ihren Geruch auf. Ich bin nicht mehr genervt, ich genieße es, denn ich weiß die Zeit wird schneller vorbei sein, als es mir lieb ist und ich bin Staatsfeind Nummer eins.
Diesen Augenblick, indem ich ihr Hero bin, den hab ich für mich alleine. Genauso wie ich ihn am Weihnachtsmorgen um 5:00 Uhr hatte, oder am Spielplatz.

Noch immer stehen wir in der Küche. Nein, ich sage nicht:“ Olivia, ich muss noch dies oder das, oder jenes machen.“ Wir wippen in der Küche hin und her. Die Sonne geht auf und scheint in die Wohnung rein. Ein magischer Moment. Ich lege meinen Fuß auf die Anrichte, damit sie sich drauf setzen kann und schmiere ihr Brot. Ich halte sie fest an mich gedrückt, während ich den Geschirrspüler ausräume. Ich schaffe es, innerhalb von einer Minute, meine Einstellung so zu ändern, dass ich anstrengende Momente mit Olivia genießen kann.

Eine Sache der Einstellung…

Jeder Moment, mit meinem Kind, ist im nächsten schon wieder vorbei. Egal ob ich es als mühsam empfinde mit meiner Tochter zu malen, oder zu basteln oder sie zu trösten, obwohl sie ohne Grund ausflippt. Jeden einzelnen Augenblick versuche ich zu genießen und ob ihr es glaubt oder nicht, mit meiner Einstellung zum Leben, als Mama, schaffe ich es tatsächlich auch negative Momente mit meinem Kind positiv zu empfinden.
We can be heroes just for one day.

Durch meine Tochter habe ich eines gelernt. Mit viel Ruhe und Geduld durchs Leben zu gehen. Situationen ins positive umwandeln. Wenn meine Tochter mich anschreit, dann sage ich zu ihr:“ Ich habe dich lieb, auch wenn du mich anschreist.“ Wenn meine Tochter mich braucht, obwohl ich es als Erwachsene nicht nachvollziehen kann, dann bin ich da. Ich koche ihr Lieblingsessen, auch wenn es mir nicht schmeckt. Ich liebe es Mama zu sein, jeden einzelnen Tag. Das musste ich lernen. Olivia ist meine beste Lehrerin. Sie hat mich zu einem besseren Menschen gemacht. Sie hat mich verändert. Ich liebe es mit ihr zum Spielplatz zu gehen, auch wenn ich keine Lust habe, denn in ein paar Jahren werde ich von ihr ausgeladen. Ich sauge die Momente mit ihr auf, weil ich weiß dass ich diese nie wieder zurück bekommen werde.

An alle überforderten, müden, genervten, ausgelaugten und verzweifelten Mamas und Papas da draußen. We can be heroes just for one day.

Wenn das erste Mal ein „ich hasse dich, Mama“ kommt, dann werdet ihr es bereuen, dass ihr eure Kinder nicht mehr wahrgenommen habt. Dass ihr euren Unmut über den Trotz eurer Kinder, gewinnen habt lassen.
Meine Tochter ist mein best buddy, mein ein und alles und das immer. Wir Eltern leisten unglaublich viel. Opfern uns auf, haben ständig Sorgen. Haben das Gefühl, alles falsch zu machen. Geben uns die Schuld, wenn sich das Kind falsch verhält. Ja! Das ist die bedingungslose Liebe. Das ist der Hero in uns. Also steht auf…rennt über den Spielplatz, als ob es das letzte Mal wäre. Malt so viele Bilder bis ihr fürs Leben satt seid. Nehmt den Trotz eures Kindes auf, denn in dem Moment haben sie nur uns. Macht euer Leben frei von dem ständigen „oh Mann ist das heute wieder anstrengend…die Kinder sind heute so mühsam!“ Steht auf…zieht euch ein Tü-Tü an und tanzt eure Nerven, zusammen mit euren Kindern, frei. Nehmt das schreiende Kind in den Arm und konzentriert euch auf den Gedanken „oh Mann wie gut du duftest, dass du mich so brauchst wird nicht für immer sein“.

Bitte, lebt mit euren Kindern…ich für meinen Teil laufe heute mit Sand in den Haaren und einem unglaublich glücklichen Kind über den Spielplatz. Ich werde meiner Tochter heute auch eine zweite Gute-Nacht-Geschichte erzählen und wisst ihr was?! Ich werde es lieben! Denn…I am Olivias Hero!

Eure Hannah

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