„Kinderwunsch“ ich wollte eigentlich keine.

24. April 2019
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Von Hannah Steinlechner
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Als ich zwanzig war, da wäre ich niemals bereit gewesen für Kinder. Ich konnte gerade mal für mich selbst sorgen. Wenn ich ehrlich bin wollte ich nie Kinder. Ich fühlte mich wie ein Vogel, mit riesigen Flügeln die Platz brauchen, um sich ausbreiten zu können. Da war nicht mal Platz für einen Mann. Klar gab es mal einen, aber das war immer so eine ON-OFF Geschichte. Ich war selten an einem Ort länger. Ich bereiste halb Spanien. Freunde von mir hatten mit zwanzig einen fixen Job, eine Wohnung, einen festen Freund. Ich…ich war mein einziger fester Freund. Später zog ich nach Wien, dann wieder zurück nach Tirol, weil gerade eine ON – Phase war. Aber Kinder hatten da nie eine Rolle in meinem Leben gespielt. Nach einem Jahr war wieder OFF. Ich zog zurück nach Wien. Die Stadt hat mich mit ihrem unglaublichen Scharm zehn Jahre festgehalten. Dort lernte ich den Mann kennen mit dem es ON blieb. Mit dem es ON ist und immer war. Es war keine Liebe auf den ersten Blick, aber es war perfekt. Die ersten Jahre waren Kinder noch immer kein Thema für mich. Wenn mir jemand gesagt hätte: „Hannah, wenn dein Leben sich so weiterentwickelt, dann wirst du mit dreißig schwanger sein und bei deinen Eltern im Haus dazu gebaut haben, in Tirol.“ Ich wäre vermutlich ans Ende der Welt geflüchtet. Mein persönlicher Alptraum.

Wir genossen die Zeit miteinander, haben viel gearbeitet…haben viel zusammen aufgebaut. Ich war jedoch immer Hauptmieter…das bin ich heute noch.

Kinder? Das erste Gespräch! Oh Mann…mit dir? SOFORT!

Der richtige Mann ist nicht immer in allem perfekt, der richtige Mann ist nicht immer dein bester Freund, der richtige Mann ist nicht immer dein Fels in der Brandung, mit dem richtigen Mann fühlt sich aber komischerweise jeder Moment, sei er dunkel oder hell, richtig an.

Wie das Leben so spielt…manchmal wie ein Raggae Song in der Sonne…der uns mit leicht wippenden Tanzschritten durch den unkomplizierten Alltag schickt. Ab und an mal eine Drehung, die uns auf den warmen Sandboden Italiens fallen lässt.

Keine Verpflichtungen. Vielleicht ziehen wir auf eine Insel und pflücken Kokosnüsse. Vielleicht auch nicht. Egal…wir können ja machen was wir wollen.

Dann nach einiger Zeit kommt ein neuer Song…der klingt immer noch nach Sonne, aber er ist anders. Er hat eine gewisse Spannung, aber positiv und noch immer klingt es nach Raggae. Ja, ich war bereit meine Flügel an den Nagel zu hängen. Für ihn, für meinen unfassbar perfekten Mann. Zu dem Zeitpunkt war unsere Beziehung gerade etwas wolkig, es sah nach Regen aus. Und sogar da, im kühlen Wind, war er meine große Liebe. Das ist es! Genau das möchte ich bis ans Ende meines Lebens. IHN! Nächsten Tag tat ich es. Ja Leute…ich habe meinen Mann gefragt, ob er mich heiraten möchte. Zum Glück sah er meine Flügel im Vorzimmer hängen, denn das hatte ihn immer etwas beunruhigt. Was wenn sie plötzlich wieder fliegt? Nö…ich bin so viele Kilometer durch die Lüfte gesegelt, jetzt will ich spazieren, mit dir nur mit dir.

Egal wo, mit dir ist alles richtig für mich. Nachdem wir heirateten wurden die Stimmen lauter, die Stimmen die den Kinderwunsch aussprachen. Ich gebe zu dass ich früher mit Kindern nicht besonders gut konnte, manchmal machten sie mir sogar ein wenig Angst, weil sie immer so direkt waren. Ich wusste auch nicht wirklich wie man mit ihnen spielt, oder was auch immer.

 

Aber hey…wer nicht spielt der nicht gewinnt. Wir zogen nach zehn Jahren Wien nach Tirol. Wir bauten bei meinen Eltern dazu. Ich war dreißig und schwanger. Ich war glücklich…ich konnte nicht fassen, dass mein persönlicher Alptraum zu dem schönsten Moment meines Lebens werden würde.

 

Wir saßen zusammen im Garten. Die Sonne strahlte hell vom Himmel, die Zehen zwischen Gänseblümchen. Mein Mann streichte über meinen Bauch und sah mich an. Er fragte mich: „Na? Vor ein paar Jahren hätten wir uns das nie gedacht…Bist du breit?“…Ich legte meine Hand auf seine und antwortete: „Noch bereiter könnte ich nicht sein!“

Olivia ist jetzt drei Jahre. Manchmal bin ich selbst noch so ein Kind, dass ich es nicht glauben kann Mutter zu sein. Ich denke genau das ist die Stärke die ich immer als Schwäche gesehen habe. Wenn Olivia bereit ist, dann schenke ich ihr meine Flügel, denn die habe ich nie weggeworfen. Sie warten drauf ausgeflogen zu werden. Aber nicht von mir, denn ich bin angekommen!

Eure Hannah

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