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Frau über Bord - ich vermisse meinen Captain!

Ende Mai habe ich ihn kennengelernt. Haltet mich für naiv, aber für mich war es Liebe auf den ersten Blick. Dachte selbst nicht, dass es so was gibt.

Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich so schnell wieder verlieben würde. Leider nahm es ein Ende, dass mein Herz in tausend Stücke zerbrach. Ich habe das Gefühl, ihn immer noch an mir zu riechen.

Ich gebe dem Mann einen fiktiven Namen, da ich seine Privatsphäre wahren will. Ein Mann, den ich gerne an meiner Seite gehabt hätte. Den ich furchtbar vermisse.

Captain hat mich umgehauen.

Warum Captain? Weil er mich in der Hand hatte, wie ein kleines Schiff, das versucht, durch den Sturm zu kommen. Mit meinen kleinen Segeln, die durch die letzte Beziehung löchrig geworden sind, habe ich nass und verzweifelt versucht, die Seile so zu spannen, dass ich in die richtige Richtung komme. Er war unser Captain, weil er kurze Zeit lang versucht hat, mit mir zusammen durch das Beziehungsmeer zu wackeln. Ich war der Härte des Windes nicht gewachsen. Captain konnte mir leider die Sicherheit nicht geben, dass wir es gemeinsam an Land schaffen und so gingen wir nach mehreren nächtlichen Stürmen über Bord. Keine Rettungsweste in Sicht, kein Captain in Sicht. Ich glaube, er ist alleine an Land geschwommen. Der Duft seines Körpers klebt noch an mir. Ich habe das Gefühl zu ertrinken. Das kleine Segelboot starrt mich an. Es hängen nur noch Fetzen dran, aber es schwimmt noch. Noch, gibt es die Chance, meine Segel zusammenzuflicken, aber wenn ich mich auf dem Meer so umschaue, dann werde ich das wohl alleine machen müssen, denn mein Captain ist weg.

Kommen zwei Menschen wieder zusammen, wenn sie füreinander vorgesehen sind, oder ist das ein Glaube, der in uns verankert ist, damit uns Trennungen leichter fallen? Wie ist das mit dieser Tür, die man schließt oder doch noch einen Spalt geöffnet lässt. Gibt es immer nur einen Weg ans Ziel und was, wenn man sich für die falsche entscheidet? Ist wirklich alles von der richtigen Tür abhängig? Da geht eine zu und daneben auf.

Draußen scheint die Sonne! Aber auf mich prasselt Regen nieder. Mein Herz schmerzt. Schade, dass es dafür keine Pille gibt. Eine Liebeskummerpille, die dir das leere und graue Gefühl im Körper nimmt. Es begann mit einem Glas Wein und endete mit einem viel zu komplizierten und schmerzhaften Telefonat.

Ich wusste genau, wenn wir jetzt auflegen, dann wars das. Der Moment musste kommen. Wenn ich an das Geräusch der abgebrochenen Verbindung denke, wird mir schlecht. Wie kann das Krachen im Ohr so laut sein, obwohl es still war am anderen Ende. Ich legte mein Handy auf die Seite und rollte mich auf dem Sofa ein. Tränen! So unglaublich schwere und große Tränen rollten wie Panzer über mein Gesicht.

Zwei Trennungen in einem Jahr sind mehr als mein Herz verkraftet. Ich bin selber schuld. Nach meiner Scheidung habe ich mein Herz zu schnell wieder geöffnet. Zu schnell an die große Liebe geglaubt. Romantisch wie ich bin, habe ich an das große Glück geglaubt.

Es gab da einen Moment! Wir lagen fest aneinander gekuschelt auf der Couch. Ich dachte in dem Moment: “Kann man tatsächlich so viel Glück haben?“ Tja… anscheinend nicht.

Ich frage mich, ob es in einer so schnelllebigen Welt diesen einen Seelenverwandten gibt? Sind wir alle austauschbar? Haben wir alle so große Angst uns wirklich auf einen anderen Menschen einzulassen?! Ist uns die eigene Unabhängigkeit so wichtig, dass wir nicht mehr fähig sind an ein „wir“ zu glauben. An ein „wir“ das uns trotzdem unabhängig weiterleben lässt.

Werde ich meinen Captain wieder finden, oder wars das. Wir hätten vorher auf dem See bleiben sollen, bevor wir uns aufs unbarmherzige, unvorhersehbare Meer raus trauen. Jetzt scheint es zu spät zu sein. Die Fahrt war wild und wunderbar. Leider viel zu kurz!

Ich glaube allerdings fest daran, dass, wenn er der richtige Captain ist, wir uns eines Tages auf dem offenen Meer begegnen werden und die Segel gemeinsam noch mal hissen werden.

 

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