„Ich bin eine unvernünftige Mama“…Dinge die ich gerne gewusst hätte bevor ich Mutter wurde.

17. September 2019
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Von Hannah Steinlechner

Wenn man sich entschließt ein Kind zu bekommen, kann man sich das irgendwie nicht vorstellen was da auf einen zukommt.

Ich hatte und habe immer noch das Gefühl, dass es Menschen bzw. Frauen gibt die tatsächlich dafür geboren wurden. Bei denen bekommt man den Eindruck, dass sie in ihrem Leben nie etwas anderes gemacht haben.

Ich glaube ich wurde nicht dafür geboren.

Ich hatte echt Schwierigkeiten mit der Veränderung klar zu kommen. Dass ich plötzlich nicht mehr machen kann was ich will. Diese Verantwortung hat mich echt fast umgehauen. Mir war früher immer egal was andere über mich dachten. Was ich trage was ich sage…meine Sache. Plötzlich ist es nicht mehr meine Sache. Nein ich trage die Verantwortung für mein Kind mit. Alles was ich sage, was ich trage, wie ich mich im Dorf verhalte, fällt auf meine Tochter zurück.

Mir stellt sich die Frage, ob ich überhaupt noch tun kann was ich will.

Ich spreche nicht von der Freiheit im Sinne von Ausgehen, sondern von meiner eigenen Einstellung. Meines Seins. Viele Dinge traue ich mich, seit ich Mutter bin, nicht mehr. Ich versuche mit Menschen klar zu kommen die mich eigentlich nicht interessieren, denn meine Tochter hat Kontakt mit deren Kindern, ich aber nicht mit deren Müttern. Ich versuche zu Veranstaltungen zu gehen, bei denen es mir echt jedes Haar an meinem Körper aufstellt. Sollte ich? Ja ich denke schon.

Eine gewisse Unsicherheit macht sich in mir breit, die ich früher nicht hatte.

Ich war mir meiner Sache immer sicher. Seit Olivia auf der Welt ist handle ich zu 90% in ihrem Sinne. Wenn ich eine Entscheidung treffe, dann denke ich vorher darüber nach, wie sich diese auf Olivia auswirken könnte. Mit welchen Leuten ich mich treffe und wie ich mich denen gegenüber verhalte. Das sind Dinge die mich in meinem Leben mittlerweile echt sehr einschränken. Sorgen über Sorgen…ist das normal? Macht ihr das auch?
Es gibt so ganz eigenartige Tage an denen ich Angst habe mich zu verlieren.

Selbstliebe…besitzt eine Mutter sowas? Ist da noch Platz?

Werde ich jemals wieder in meinem Sinne handeln? Auslassen? Eine Entscheidung treffen, weil sie für mich gut ist, aber für mein Kind eventuell Folgen haben könnte? Ich denke eher nicht.
Tatsächlich gibt es Tage die mich zu Tode langweilen. Ja, ich bin 33 Jahre alt und stehe morgens nicht auf, weil ich mich unglaublich auf den Spielplatz freue oder auf den Turm den ich heute bauen werde. Das gebe ich ganz offen und ehrlich zu. Das hat absolut nichts mit der Liebe zu meinem Kind zu tun. Ich bin nun mal erwachsen und habe andere Bedürfnisse als mein Kind. Klar gehe ich Spielplatz und habe auch Spaß daran, aber nicht jeden Tag. Ich freue mich genauso auf ein Glas Wein mit meinen Freundinnen.

Es gibt genug Mütter die gerade das nicht zugeben. Wenn ich als Mutter vorher gewusst hätte, was mich erwartet, dann hätte ich sicher ein paar Dinge anders gemacht.

Heute, nach 3 Jahren.

Ich treffe auch mal eine Entscheidungen in meinem Sinne. Vor kurzem hatte ich eine Unterhaltung mit einer Freundin von mir. Ich fragte sie:“ Denkst du bei dieser Entscheidung auch an deine Kinder?“ Ihre Antwort war:“ Nein, das habe ich nur für mich getan.“ Ich will hinzufügen, dass es eine lebensverändernde Entscheidung war. Niemals würde ich sie dafür verurteilen. Ganz im Gegenteil. Ich fand es echt beeindruckend, dass sie diese Entscheidung getroffen hat, denn diese war für sie selbst sehr wichtig. Sie war mit der Lebenssituation absolut nicht glücklich und hat dann den Entschluss gefasst etwas zu ändern.

Das hätte ich gerne gewusst bevor ich Mutter wurde:

Es ist absolut okay mal an sich zu denken, sogar sehr gesund.
Eigene Fehler werden uns unsere Kinder verzeihen.
Ich darf mal erwachsen sein und keine Lust auf den Spielplatz haben.
Mal einen miesen Tag zu haben ist menschlich, auch als Mama.

Ich bin ein verrückter Mensch und darf das auch bleiben. Nur weil ich Mama bin muss ich nicht immer und überall vernünftig sein, vor allem wenn die Kinder nicht dabei sind. Aber auch, wenn meine Tochter dabei ist, schlüpfe ich mal raus aus der Rolle der Mutter und flippe mit ihr gemeinsam aus. Wir ziehen uns bunte Röcke an und springen zu Brit Pop durch die Wohnung. Nein, nicht zu Kinderliedern, weil ich eben auf die nicht immer Bock habe. Ja wir machen zusammen mal Dinge die man als „nicht gute Idee bezeichnen würde“. Wo bliebe denn da der Spaß. Vor kurzem ermahnte Papa Olivia und auch mich. Danach sagte Olivia zu mir mit einem Seufzer und leichtem Schmunzeln:“ Hach, Mama auf was für Ideen wir zusammen immer kommen.“ Ich hab mich fast kaputt gelacht.

Ich hoffe, dass ich die erste sein darf mit der Olivia mal ein Bier trinkt. Ich hoffe, dass ich die erste bin der Olivia von ihrem Schwarm oder Liebeskummer erzählt. Ich lebe mit meiner Tochter, ich bereite sie auf ein Leben vor, das auch mal unvernünftige Entscheidungen beinhaltet.
Wo wäre denn der Spaß, wenn man nicht mal aus der Rolle tanzt?
Gut, dass ich diese Dinge jetzt weiß, nach dem ich Mutter wurde.

Eure Hannah

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