Die Trotzphase...!

Eine leere Hülle, verprügelt, von Schuldgefühlen. Man stellt sich die Frage, was man wohl besser machen hätte können. Warum wird mein Kind so wütend?

Nach einer tränenreichen Stunde, liegt das Kind im Bett und schläft für eine Weile, vermutlich. Der Tag war lang. Er war extrem hart. Die Phasen eines Kindes können Eltern in den Wahnsinn treiben. Plötzlich, aus dem Nichts explodiert der kleine Engel. Vom zuckersüßen Kind ist tagelang nichts mehr zu sehen.
Ja auch ich mache das immer wieder mit. Die Verzweiflung macht sich breit. Von den Wutausbrüchen ist man total überfordert. Auch die Denkweise des Kindes ist nicht nachvollziehbar.

 

Bei Olivia kam das von einem Tag auf den anderen. Ich dachte nur „wo ist denn mein Kind hin? Nicht wieder zuerkennen!“

Wolken ziehen über unserer idyllischen Familie auf. Es regnet über unseren Köpfen. Ab und an kommen Blitze und Donner dazu, der eine oder andere Hagelschaden ist in unseren Gesichtern zu sehen. Und dann…sieht man plötzlich wie sich das Gewitter lichtet und die Strahlen der Sonne glitzern durch unsere Wohnung. Der Sturm ist vorbei. Der Regenschirm wird für einen kurzen Augenblick in die Ecke gestellt, griffbereit, denn er wird heute sicher noch mal benutzt.

Mein Regenschirm.

Den spanne ich bei einem Trotzanfall über meine ganze Familie drüber, denn nur zusammen überstehen wir diesen Regen, der mit viel Wind versucht darunter zu schlüpfen und uns alle mitzureißen.

Das mache ich wenn mein Kind einen Wutanfall hat.

Ich versuche sie zu beruhigen und atme tief durch. Wenn sie will tröste ich sie, wenn sie Ruhe haben will bleibe ich in ihrer Nähe, aber lasse sie nicht alleine. Ich schimpfe sie nicht und rede nicht wie ein verrücktgewordener Wettermann auf sie ein. Ich gebe ihr die Möglichkeit sich zu sammeln. Ihr müsst wissen, sie lernt gerade. Sie lernt sich gerade kennen und das braucht Zeit und Geduld.

So bahnt sich die erste Wolke an.

Der Wutanfall ist vorprogrammiert. Du hast vielleicht einen Knirps (kleinen Regenschirm…kennt ihr oder?) bei der Hand, dann spann ihn so schnell es geht auf, denn JA du kannst tatsächlich einen Wutanfall abfangen.

Ich stelle mir die Frage, ob es meinerseits ein Machtkampf ist, weil ich eben was durchziehen will, oder ob es jetzt völlig in Ordnung ist, dass ich ihr die Entscheidung überlasse. Es gibt tatsächlich immer wieder mal Situationen denen ich aus dem Weg gehe, damit es nicht zu einem Trotzanfall kommt. Ich kooperiere!

Typische Situationen bei denen man sieht wie sich der Himmel verdunkelt.

Der Becher ist blau anstatt rot. Das Taschentuch hat einen Riss. Der Teller ist zu groß. Die falsche Bürste, die falsche Haarklammer wurde benutzt. Das Badewasser hat zu viel Schaum bzw. zu wenig. Die Zahnpasta schmeckt plötzlich ganz anders als sonst. Der Pyjama ist zu kalt, zu bunt, zu dick und/oder zu eng. Das Licht ist zu hell, der Lichtschalter zu weit oben, um ihn ohne Mamas Hilfe zu erreichen. Papa soll ein Buch lesen, nein Mama, nein falsches Buch, doch kein Buch, blödes Buch. Die Banane ist zu braun, der Apfel zu hart. Das Joghurt wurde von Mama geöffnet, die Waschmaschine wurde unabsichtlich von Mama eingeschaltet, weil sie vergessen hat, dass ja der kleine süße Engel dies machen wollte. Die Milchflasche ist zu warm und dann zu kalt...lieber Leser bitte Luft holen, hätte bei den ganzen Aufzählungen fast vergessen zu atmen.

Nein, ich kann nicht sagen dass ich es verstehe, aber ich habe Verständnis.

Meine Tochter darf vieles selbst entscheiden, aber natürlich nicht alles, und das sorgt dann für Ärger.

Ja, sie hatte schon mal drei unterschiedliche Becher auf dem Tisch stehen, weil ich so naiv war und dachte damit könnte ich noch was retten. Eine Woche lang jagte ein Wutanfall den nächsten. Ich habe sie aufgefangen, denn ich blieb ruhig, ließ sie genau die Dinge machen, bei denen ich weiß dass sie diese selbst entscheiden kann. Ich verwöhne sie in einem Moment in dem sie komplett schwach ist. Ich gebe ihr in ihren dunklen Stunden unter der Wolkendecke den Schutz den sie braucht, damit die Sonne wieder scheinen kann.

Das unbeständige kühle und neblige Regenwetter blieb eine Woche bei uns.

In ruhigen Momenten, während Olivia schlief und mich kleine Sonnenstrahlen auf der Schulter kitzelten, kam der Gedanke „Verziehe ich mit meiner Herangehensweise mein Kind? Wird es noch schlimmer, wenn ich so extrem auf sie eingehe? Sollte ich mehr durchgreifen?“ Ich sage ganz klar Nein.

Ich erkenne den Unterschied ob mein Kind eine Grenze oder Hilfe braucht.

Ich will dazu sagen, dass sich mein Blogbeitrag ausschließlich um die Trotzphase und dem daraus folgenden Wutanfall dreht. Ich schreibe das dazu, weil es einen Unterschied macht, ob ein Kind gerade etwas will und es einfach bekommt, oder ob es mit sich selbst gerade total überfordert ist.
Mit viel Liebe Geduld und Mitgefühl bekamen wir unseren Sonnenschein wieder zurück.
Den Regenschirm hab ich zur Sicherheit im Vorzimmerschrank stehen lassen, denn der wird sicher wieder mal zum Einsatz kommen.

Eure Hannah

 

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